SIGNUM -
Texte zu Menschen und Märkten

24.12.2006
SIGNUM 3

Ausser Kontrolle

Die Weihnachtsgeschichte ist auch die Geschichte über eine Familie, die sich misstrauischen bis feindseligen Kontrollen und überwachungen entziehen musste und untertauchte. Aufmerksame Leser und Leserinnen stellen sich die Frage, weshalb der himmlische Dramaturg das Geschehen um Christi Geburt in einen Zusammenhang von Registrierung, Kontrolle und Strafe gestellt hat.

Zur Erinnerung: Maria und Josef waren unterwegs und mussten sich dringend ein Lager für die Nacht suchen, da Maria jeden Augenblick hätte gebären können. Unterwegs waren sie, weil die römische Besetzungsbürokratie verlangte, dass sich alle zwecks Steuereintreibung in ihrem Geburtsort registrieren lassen mussten. Ausserdem war das junge Paar gezwungen, mit seinem Sohn nach der ereignisreichen Nacht im Stall von Bethlehem überstürzt aufzubrechen: Der jüdische König Herodes liess alle Neugeborenen erfassen, um den angekündigten Messias, eben Jesus, als unerwünschten Konkurrenten unschädlich zu machen.

In diesem Zusammenhang von Kontrolle und überwachung erscheint, die Entwicklung der Weihnachtsgeschichte selber verblüffend improvisiert - ausser Kontrolle: Die zufällige Wahl eines Stalles als Ort der bedeutendsten Geburt der abendländischen Geschichte, die zufällige Anwesenheit von Ochse und Esel, die auf gut Glück angelegte Ankündigung der Geburt über einen Stern mit Schweif und einen himmlischen Chor, der seine Botschaft ausgerechnet über einer wenig besiedelten Weide intoniert.

In der Tat: Die Weihnachtsgeschichte erstrahlt nicht im Glanz eines auf Nachhaltigkeit und berechenbaren Erfolg getrimmten "Prozessmanagement". Jedenfalls entstand sie nicht im Geist einer kühlen Rückversicherungsmentalität, wie sie im selben Zeitpunkt offenbar die römische und jüdische Staatsorganisation auszeichnete.

Wenn wir einen kühnen Bogen von Maria und Joseph im Stall zu modernen Managern in ihren klimakontrollierten Büros schlagen, stellen wir fest, dass moderne Führungsgrundsätze mit ihren Qualitätssicherungs- und Zertifizierungsübungen eher dem Prinzip der kontrollierten Entwicklung als dem vertrauensvollen Geschehenlassen folgen. Gut so. Nur: Betriebliche Erfolgsstorys taugen deshalb nicht für Weihnachtgeschichten. Dem gewieften controlling-orientierten Manager graut davor, was damals zwischen Nazareth und Bethlehem alles hätte schief laufen können und als Projektleiter "Christi Geburt" hätte er wohl gerne das Ganze abgesagt.

Fazit: Kontrolle ist gut, Vertrauen schafft Wunder.

Wir wünschen Ihnen für das Neue Jahr viel Erfolg und einige kleine Wunder, die sich an den Kontrollen vorbei mogeln.