SIGNUM -
Texte zu Menschen und Märkten

11.6.2007
SIGNUM 4

Bedienung. Bitte!

Man hat sich in der letzten Zeit an allerhand gewöhnt. Falls wir als Kunden je Könige waren, sind wir in den letzten Jahren immer weiter vom Thron entfernt worden, sodass unser Auftreten auf einer Skala von eins bis sechs - untertänig bis königlich - kaum mehr eine vier erreicht.

Klaglos nehmen die meisten unter uns die nachhaltigen, mit finanziellen Drohungen verbundenen Aufforderungen der Banken entgegen, Bancomat und e-Banking zu nutzen, statt deren Mitarbeiter an den Schaltern von wirklich wichtigen Arbeiten abzuhalten. Stoisch, wenn auch schwitzend, suchen wir uns den gewünschten Gesprächspartner unserer Lieferantenfirma selber, indem wir uns durch komplexe Nummernfolgen und mehrsprachig vorgetragene, schwerverständliche Anweisungen kämpfen, um schliesslich beim durchdringend unfreundlichen Pfeifton einer Combox zu landen. Ohne Murren steigen wir in die Katakomben unserer Gasthäuser, weil uns das Personal mit einem knappen "Der Automat ist gleich neben der Toilette im Keller" daran erinnert hat, dass wir alle mithelfen müssen, wenn es darum geht, die "Strukturen" unserer Wirtschaft "schlank" zu halten.

Und schliesslich gewöhnen wir uns daran, dass kräftig reduzierte Serviceleistungen stets durch ebenso kräftig auftrumpfende Wort-Ungetüme angepriesen werden - etwa: "Kundenbedürfnis-fokussiertes Call-Center".

Die Konjunktur lässt die Geldbeutel der Konsumierenden aus allen Nähten platzen, und viele könnten - wenn sie sich trauen täten - wieder wie Könige auftreten und dafür auch Geld ausgeben.

Anbieter von Gütern und Dienstleistungen sollten sich darauf einstellen. Es wird darum gehen, den Buchhalter, der in uns allen wohnt und der uns in den letzten Jahren stets feindselig über die Schulter geblickt hat, beherzt in die Schranken zu weisen.

"Wie können wir sparen?" - Die Frage ist "out". "In" ist: "Wie können wir mehr verdienen?" Und nicht zufällig kommt "verdienen" von "dienen". Trübsinniges Rechtfertigen von kargen Minimallösungen macht weder den Anbietern noch den Nachfragern wirklich Freude. Bald könnte es wieder so sein, dass die menschliche und fachliche Kompetenz gefragt ist, lustvoll gestaltete Maximallösungen mit echten "Dienst-Leistungen" zu verkaufen.

Dann wird es wieder geschehen, dass stolze Verkäufer und begeisterte Kunden in der Arena des Marktes für Glanzlichter sorgen.